Bild: Anna Breit

 

Zukunft der Mode

Mode ohne Barrieren: Das Label MOB lebt (bereits) dieses visionäres Zukunftsmodell

 

von Fatima Njoya

Dieses Label sollten Sie sich merken, denn es sorgt für Sichtbarkeit und arbeitet daran, die textilen und gläsernen Decken der Industrie aufzubrechen und eine Zukunft fernab von Barrieren zu schaffen.

Mode ohne Barrieren: Das österreichische Label MOB setzt diese Vision um und sorgt für mehr Sichtbarkeit in der Branche

Es ist kein Zufall, dass der Name MOB, der ein Akronym für Mode ohne Barrieren ist, auch als sein englischer Verwandter verstanden werden kann – dort bedeutet Mob „Rudel“ oder Gemeinschaft, was die Quintessenz, der in Wien ansässigen Organisation ist. Seit mehreren Jahren wird in der Modebranche viel über Inklusion, Diversity und die Sichtbarkeit marginalisierter Gruppen gesprochen – der Fortschritt hierbei geht jedoch langsamer von statten als erhofft. Dabei sollten im Hinblick auf Inklusion und die Einbeziehung verschiedener Perspektiven alle an einem Strang ziehen, um eine barrierefreie Zukunft zu ermöglichen, die das österreichische Label MOB schon seit einigen Jahren zu seiner Realität gemacht hat.

Mode ohne Barrieren ist ein Standard, der für MOB bereits selbstverständlich ist

Manchmal muss der Fortschritt selbst in die Hand genommen werden und was daraus entsteht, sind Projekte und Brands wie MOB, denen das Thema Inklusion eine Herzensangelegenheit ist: „Ich sehe uns nicht als Vorbild, sondern als Vorreiter:innen, denn adaptive Fashion ist weder ein Trend noch Aktivismus, sondern eine absolute Notwendigkeit, die hoffentlich ganz bald selbstverständlich wird“, so Gründerin Josefine Thom. MOB widmet sich gezielt den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderung_en und fertigt, in Zusammenarbeit mit jungen Modelabels, Bekleidung an, die speziell auf deren unterschiedliche Lebensrealitäten zugeschnitten sind – aber auch von allen anderen getragen werden kann.

Gegründet 2019 stellen sich aktuell drei Designer:innen den Herausforderungen einer (noch) nicht so inklusiven Branche und bringen Fun mit Function zusammen – was dabei entsteht, sind Modelle, die mit einer breiten Anwendbarkeit überraschen und raffinierte Systemlösungen kreieren, die modisch und praktisch zugleich sind. „Eben 100 Prozent funktional, adaptiv, nachhaltig, fair und lokal.“ Denn Mode ist etwas, an dem sich alle erfreuen (sollten) – unabhängig und abseits der normativen Reproduktion von Idealen.

VOGUE spricht mit MOB-Gründerin Josefine Thom über das Label, die Vision und die Zukunft der Modebranche

Diversity und Inklusion sind Themen, die die Modebranche schon seit längerem bewegen. Trotz den Bemühungen werden immer noch nicht alle Perspektiven abgedeckt. Wie sieht der konkrete Ansatz von MOB aus, eine Veränderung zu schaffen?

Die gesellschaftliche Realität und die Wünsche und Ansprüche bezüglich angemessener Kleidung sind weitaus vielseitiger und nuancierter, als man in der Regel zu sehen bekommt. Uns geht es um das ganze Spektrum! Unser Ziel ist es nicht, Diversity und Inklusion ins Zentrum zu rücken, sondern die Diversität aktiver Identitäten. Von Jugendkultur-affiner Coolness bis hin zu dezenter Eleganz versuchen wir medizinische und technische Praktikabilität und individuelle Lifestyle-orientierte Angemessenheit in ein neues Verhältnis zu setzen.

Gab es für die Gründung von MOB einen besonderen Auslöser?

Die MOB-Idee ist aus einer persönlichen Motivation heraus entstanden – ich habe eine ältere Schwester mit Behinderung_en. Für sie die passende Kleidung zu finden, die nicht nur funktional, sondern auch schön ist, war immer eine Herausforderung. Es gibt zu wenige Hersteller, die barrierefreie Mode entwickeln. Und wenn, dann ist die Auswahl eher beschränkt: Die Kleidung hat überwiegend Funktionsästhetik und das Produktangebot in puncto Stoffen, Verschlüssen oder Styles ist wenig vielseitig und zeitgemäß. Menschen mit Behinderung_en werden bislang vor allem als Patient:innen und nicht als Kund:innen gesehen. Das spiegelt sich u.a. im Wording und Markennamen wider, wodurch Behinderung als bloßes Defizit und einzige Eigenschaft wahrgenommen wird.


ganzer Artikel lesen